Welches Geheimnis birgt der Bunker?

Nun ist der Luftschutzbunker auf der Wiese hinter dem Brakula sichtbar geworden. Jahrzehntelang lag er versteckt zwischen den Wagen des Vormieters, dem Autohändler ABC-Automobile. Seit das sogenannte Försterhaus an der Bramfelder Chaussee 261 denkmalgerecht saniert wird, ist der Blick auf das Relikt der NS-Zeit frei geworden. Viele fragen sich: Wofür wurde er errichtet?

2017 hatte sich die Sprinkenhof GmbH, die mit der Umsetzung des Denkmalschutzprojektes befasste Immobiliengesellschaft, an den Verein „Hamburger Unterwelten“ gewandt. Nach Einschätzung dieser „Gesellschaft zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten“ handelt es sich um einen Schutzraum des Zweiten Weltkriegs. Offenbar scheint es aber kein bekannter Bautyp zu sein, was eine individuelle Planung nahelegt. Wer hat ihn also gebaut?

Das Hofensemble gehört heute dem Bezirksamt Wandsbek und wurde von der Gemeinde schon 1920 erworben. Der Verkäufer war der verschuldete Landwirt Wilhelm Junghans. In den beiden Hofgebäuden lebten über die folgenden Jahrzehnte wechselnde Mieter in kleineren Wohneinheiten und die Gemeinde brachte hier verschiedene Ämter unter, darunter ab 1941 die Bauverwaltung mit dem Tiefbauamt. Da ist es vorstellbar, dass mit deren Kompetenz und dem Zugriff auf das nötige Baumaterial die Errichtung des Bunkers umgesetzt wurde. Mit seinen oberirdischen Außenmaßen von ca. 8 Metern x 2,40 Metern und einer sichtbaren Höhe von 1,40 Metern über dem Erdboden ist er nicht besonders groß. Der Eingang hat einen Vorbau, den sogenannten Splitterschutz. Unterirdisch weitet er sich in der Grundfläche nicht aus.

Wofür der Bunker gebaut wurde und was er enthält, liegt noch im Dunkeln. Innen gibt es zwei Räume, die mit Sand, Wasser und Autoreifen angefüllt sind. Bekannt ist nur, dass bei der Begutachtung 2017 einem neugierigen Behördenmitarbeiter bei der Verwendung seines Handys als Taschenlampe selbiges hineingefallen ist. Soviel ist also klar: Bei der Entleerung des Bunkers wird man ein Handy finden. Wird man auch Munition finden? Oder wichtige Akten? Wenigstens Wandbeschriftungen, Reste oder Abfälle, die bei der Aufklärung der Bestimmung des Bunkers wertvolle Hinweise liefern werden? Bislang wurde keine schriftliche Erwähnung gefunden und er ist auch auf keiner Karte verzeichnet.

Als Geschichtswerkstatt, die hier auf dem Gelände beheimatet ist, hat das Stadtteilarchiv Bramfeld großes Interesse daran, dass der Bunker geschützt, geleert und nutzbar wird.

Wir haben das Denkmalschutzamt gebeten eine Prüfung zur Unterschutzstellung durchzuführen. Das Hofensemble, errichtet um 1880, steht mit den beiden Häusern, dem Kopfsteinpflaster, dem Hoftor und den Kopflinden bereits unter Denkmalschutz.

Der Regionalausschuss Bramfeld beschloss am 28. April 2022 auf unsere Anregung hin als ersten Schritt eine Eingabe an das Bezirksamt Wandsbek um Leerung und Nutzbarmachung auf den Weg zu bringen.

Der Bunker bietet einen Anlass für Veranstaltungen, Rundgänge und Vorträge für Stadtteilbewohner, insbesondere junge Menschen, zum Thema Krieg. Er fügt sich an unsere Recherchen über die Bombenschäden in Bramfeld und die privaten Zivilschutzmaßnahmen der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, die wir in unserer Jubiläumsschrift „Bramfelder Streiflichter. Aus 750 Jahren Dorf und Stadtteil“ dokumentiert haben.

Hier bietet sich ein Objekt in der unmittelbaren Nachbarschaft für die Auseinandersetzung über Krieg und Frieden an, zumal diese Themen mit den Vorgängen in der Ukraine eine traurige Aktualität gewinnen.

Top